Hyperthermie

Ein wichtiges Verfahren der komplementären Onkologie ist die Hyperthermie (gezielte Überwärmung). Sie wird mittlerweile als „vierte Säule“ der Krebsbehandlung bezeichnet.

Wirkungsweise und Ziele

Durch die Erhöhung der Gewebetemperatur auf 40 bis 43 °C werden verschiedene Mechanismen aktiviert:

  • Sensibilisierung von Tumorzellen: Tumorzellen werden empfindlicher gegenüber anderen Verfahren (Sensibilisierung). So kann etwa die Effektivität von Bestrahlungen um das bis zu 2,5-fache gesteigert werden.

  • Zerstörung der Tumorzellen: Hitze schädigt Proteine und Stoffwechselprozesse der Krebszellen, was zum Zelltod führen kann.

  • Immunaktivierung: Die Wärme moduliert die Tumorumgebung und aktiviert Immunzellen, was auch moderne Immuntherapien unterstützen kann.

Formen der Hyperthermie

Je nach Ausbreitung der Krebserkrankung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:

  • Lokoregionale Hyperthermie (LRHT): Gezielte Erwärmung eines spezifischen Tumors oder einer Körperregion (z.B. bei Brustkrebs, Hautkrebs oder Prostatakrebs). Die Überwärmung kann entweder durch mit heissem Wasser gefüllten Sonden oder mittels Mikrowellenbestrahlung erfolgen. Beide Verfahren sind geeignet und haben Vor- bzw. Nachteile.

  • Ganzkörperhyperthermie: Erwärmung des gesamten Körpers, meist bei metastasierten Erkrankungen, um das Immunsystem systemisch zu stimulieren.

  • Hypertherme Perfusion: Spülung von Körperhöhlen mit erwärmten Chemotherapeutika (z.B. HIPEC im Bauchraum).

Wie ist der Behandlungsablauf?

In Absprache mit dem Arzt wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Üblicherweise wird an einigen Tagen in der Woche die lokale Hyperthemie (LRHT) erfolgen.

Eine einzelne LRHT-Sitzung dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten. Einschließlich Vor- und Nachbereitung sollten Patienten insgesamt etwa 2 Stunden pro Termin einplanen:

  • Aufwärmphase: Etwa 15 bis 30 Minuten werden benötigt, um das Zielgewebe auf die therapeutische Temperatur von 40 bis 43 °C zu bringen.

  • Plateauphase: Die Zieltemperatur wird über einen Zeitraum von etwa 60 Minuten konstant gehalten.

Anzahl und Frequenz der Sitzungen: 10 bis 12 Sitzungen in Serie sind üblich. Werden die LRHT-Behandlungen mit anderen Verfahren kombiniert, wird dies bei der Planung berücksichtigt.

Erkrankungen

  • Prostatakrebs: Eignet sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Vorstufen von Prostatakrebs: Eignen sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Gebärmutterhalskrebs: Eignet sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs: Eignen sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Hautkrebs: Eignet sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Vorstufen von Hautkrebs: Eignen sich i.d.R. gut für die LRHT, oft ist lokale Immuntherapie mit Imiquimod ausreichend.
  • Brustkrebs: Eignet sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Vorstufen von Brustkrebs: Eignen sich i.d.R. gut für die LRHT.
  • Oberflächliche Weichteiltumore: Eignen sich i.d.R. gut für die LRHT.

Diese Seite dient einzig Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Es wird ausdrücklich kein Heilversprechen gegeben.